Montagsspaziergang: Beginnt Ostern in diesem Jahr schon im Januar?


Montagsspaziergang in Korbach, 10. Januar 2022. Video: privat

Und dann gleich mit Ostermontag? Das gab es in der Tat noch nie, dass sich an einem Montag im Januar überall in Nordhessen und auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg Menschen „zufällig“ bei einem Montagsspaziergang treffen, gerade so wie es Johann Wolfgang von Goethe in seinem Osterspaziergang poetisch beschreibt.

Montagsspaziergang: „Überall regt sich Bildung und Streben“

Sowohl in Korbach, als auch in Bad Wildungen und Waldeck war am gestrigen Montag, 10. Januar, ein „überall regt sich Bildung und Streben“ lebendig und gegenwärtig. Doch es ging dabei nicht um den Genuss der allegorischen „Auferstehung des Herrn“ zu Ostern oder der ersten sommerlich angehauchten Temperaturen. Es war dunkel, feucht und kalt. Die Bürger feierten auch eher die eigene Auferstehung – aus dem nun zweijährigen Joch des Pandemie-Framings. Bemerkenswert ist dabei, wie sich vielerorts nach nur wenigen „Montagen“ aus zufälligen Spaziergängen von oft kaum einem Dutzend Bürgen ein Strom aus von teilweise hunderten von Spaziergängern entwickelt hatte.


Montagsspaziergang in Fritzlar, 10. Januar 2022. Video: privat

Aus Fritzlar (250 bis 300 Teilnehmer) im benachbarten Schwalm-Eder-Kreis erreichte uns dieses „frühlinghaft“ beschwingte Fazit:

Es war wunderschön heute in Fz. Und ein total entspannter Spaziergang und entspannte Polizei.

Ähnliches war von Spaziergängern aus ganz Deutschland zu vernehmen. Die fröhliche Entschlossenheit hunderttausender Bürger führte in den – Achtung „Signalwort“ – Mainstream-Medien zu teilweise bissigen Kommentaren. Den sinnbildlichen Vogel hat dabei der Schauspieler Christoph Waltz abgeschossen:

Montagsspaziergang-Beteiligungen, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Montag 10. Januar: Korbach (250), Bad Wildungen (100), Volkmarsen (50-60), Waldeck-Sachsenhausen (13), Frankenberg (320).


Montagsspaziergang in Frankenberg, 10. Januar 2022. Video: privat

(TeamGinder)


Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter in seiner Schwäche
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weisses.
Überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farbe beleben.
Doch an Blumen fehlts im Revier.
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden.
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus der Strassen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges ferner Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel.
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I)

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